Russom vor Towand | ZDF/Ralph Orlowski

Russom versenkt das Runde im Runden

Er kam, sah nichts, schoss und siegte. So könnte man den gestrigen Abend von Nationalspieler Mulgheta Russom zusammenfassen. Der 37-järige Kicker vom MTV Stuttgart besiegte Eishockey-Nationalspieler und NHL-Star Leon Draisaitl an der ZDF-Torwand.

Im Aktuellen Sportstudio bezwang Russom mit seinem Treffer oben links den Profi mit 1:0 und darf sich nun auf ein Sportwochenende und die finale Endrunde mit allen übrigen Tagessiegern freuen. Dabei fehlte es dem Standardspezialisten zunächst am nötigen Zielwasser.

Ladehämmung auf beiden Seiten

Beim Torwandschießen gilt es, zunächst drei Bälle unten, dann drei oben in der Torwand zu versenken. Unterstützt wurde Russom durch Ulrich Pfisterer, Trainer der MTV-Blindenfußballer und gleichzeitig Coach der Blindenfußball-Nationalmannschaft. Pfisterer schlüpfte in die Rolle des Guides und gab mit lauten „Hier“-Rufen die Richtung vor. Zu Beginn ging es für Russom und Draisaitl darum, die Kugel unten rechts unterzubringen. Eine Besonderheit im Gegensatz zu üblichen Torwandduellen war, dass das Publikum bei Russoms Schüssen nicht wie sonnst lautstark klatschen, sondern aufgrund der Konzentration des Spielers auf den Schuss an sich und die Rufe seines Trainers sich absolut ruhig verhalten musste. Nach anfänglichen Klatschern funktionierte dies erstaunlich gut. Das Publikum hielt den Atem an und die Fernsehzuschauer erlebten das leiseste Torwandschießen der Geschichte. Sowohl Draisaitl, als auch Russom schafften es nicht, das Runde im unteren Runden des Eckigen zu versenken.

Das obere Linke loch ist genau auf Kopfhöhe von Trainer Pifsterer durch welches man ihn sieht.
Trainer Pfisterer zeigt akustisch die Schussrichtung an.

Draisaitl verschießt, Russom trift

Draisaitl, der fern des Eises eher zum Tischtennisschläger als zu den Fußballschuhen greift, vergab auch seine Versuche aufs obere Loch. Als Russom zum fünften Mal Maß nahm, versenkte er das rasselnde Leder in der Torwand. „Ist das geil“, freute sich nicht der Schütze, sondern ZDF-Moderator Sven Voß über diesen Treffer. Auch wenn der letzte Schuss das Ziel verfehlte, hinterließ der Auftritt des 45-maligen Nationalspielers einen bleibenden Eindruck. Der Hinweis auf die Heim-Europameisterschaft 2017 in Berlin kam von Bundestrainer Pfisterer auch noch. Ob wir daraufhin in Zukunft mehr Blindenfußball in den öffentlich-rechtlichen Medien sehen, bleibt abzuwarten.

Russom hält die rechte Hand auf dem Ball, während Pfisterer hinter dem Tor ansagt, wo das zu treffende Loch ist.
Erster Schuss auf das Loch oben Links

Präzision bringt Russom an die Torwand

Um sich an der Torwand mit einem Promi zu messen, filmt man seine Fußballtricks und schickt diese über FUSSBALL.de an das ZDF. Dies tat auch Russom. Gemeinsam mit Coach Pfisterer drehte er einen Clip, in dem er die Bälle treffsicher auf das Rufen des Guides platzierte. Zwar landete er bei der anschließenden Wahl bloß auf dem zweiten Platz, erhielt aber vom ZDF dennoch die Einladung ins Aktuelle Sportstudio. Diese hat er, finden wir, sehr gut genutzt. Da soll noch einer sagen „den hätte auch ein Blinder gemacht.“ Seit dem gestrigen Abend ist diese Floskel nicht mehr nur Ironie, sondern auch ein Stück Fußball- und Sportstudio-Geschichte.

Das Torwandschießen kann in der ZDF Mediathek oder bei YouTube nachverfolgt werden.