Hier wird gespielt. Auf dem Marktplatz in Rostock vor schöner Kulisse.

Abseits der Meisterschaft: Wie spannend wird Rostock?

Die Meisterschaft 2016 ist bereits seit dem letzten Spieltag entschieden. Die Schale geht wie im Vorjahr an die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg. Anders als in den zurückliegenden zwei Jahren kommt es also nicht zu einem wahren Finalspieltag zum Saisonende. Doch für wen wird es am Samstag auf dem Marktplatz in Rostock noch richtig spannend?

Spiele mit Spaß und Spannung

Die Liga schrieb erst den dritten Spieltag dieser Saison, als der FC St. Pauli auf dem heimischen Kunstrasen den amtierenden Meister empfing. Dieser entschied mit dem Siegtreffer nach zwölf Sekunden die Partie und somit das Titelrennen für sich. Beim Abpfiff entwich bei den Titelkonkurrenten aus Hamburg und Stuttgart gänzlich die Luft aus dem Meisterschaftsballon. Nachdem Marburg den vierten Titel in Berlin dann auch noch am Grünen Tisch feiern musste, weil ein Gegner zum zweiten Mal in dieser Saison nicht antrat, war auch der letzte Rest Spannung abhanden gekommen.

Der Blick nach ganz oben lohnt sich also vorm Saisonfinale nicht mehr. Aber dahinter gibt es, wie wir am Rechenschieber fleißig ermittelt haben, noch einiges an Spannung.

Alles drin – Von Platz fünf bis zur Roten Laterne

Die größte Spannung hält der letzte Spieltag für die bayerische Spielgemeinschaft der Partner TSV 1860 München und VSV Würzburg parat. Ein fünfter Platz, der am Ende überraschend käme, oder die Rote Laterne, die die Zweifel am SG-Projekt anheizen würde – alles ist noch drin. Das liegt daran, dass die Süddeutschen als einziges Team noch zwei Spiele zu absolvieren haben. Gewinnt die SG die Begegnungen gegen Chemnitz und Köln, so winkt Platz fünf. Verliert man hingegen doppelt und gewinnt das aktuelle Schlusslicht Dortmund sein Spiel gegen Berlin, schließt man die Premierensaison als Spielgemeinschaft auf dem letzten Platz ab.

Wenig Spielraum

Eine enttäuschende Spielzeit erlebt auch die SG PSV Köln/Teutonia Köppern. Zwar haben die Rheinländer ebenfalls noch Chancen auf den fünften Rang, aber diese sind aufgrund des miserablen Torverhältnisses rein theoretischer Natur. Ein Sieg im letzten Saisonspiel gegen die SG München/Würzburg ließe das Bundesligajahr 2016 dennoch versöhnlich abklingen. Ob es dann der siebte oder sechste Rang wird, dürfte dem Team vermutlich auch relativ gleich sein. Eine Niederlage könnte indes fatal sein. Wenn Schlusslicht Dortmund einen Dreier einfährt und die bayerische SG dem Chemnitzer FC am Vormittag einen Punkt abtrotzt, wandert die Rote Laterne nämlich doch noch an den Rhein.

Chance auf blaues Auge

Einen ganz entscheidenden Satz kann der ISC Dortmund machen. Bei einem Sieg gegen den derzeit sechstplatzierten FC Viktoria Berlin ließe man die Hauptstädter hinter sich. Wenn dann noch die letzte Begegnung des Tages zwischen der SG München/Würzburg und der SG Köln/Köppern unentschieden ausgeht und die bayerische Spielgemeinschaft zuvor gegen den CFC verliert, ja dann belegen die Westfalen am Ende sogar noch selber den sechsten Tabellenrang. Wozu ein einziger Saisonsieg so führen könnte, ist zumindest am Rechenschieber schon sehr überraschend. Was der ISC aus dieser Steilvorlage auf dem Platz macht, bleibt abzuwarten.

Schalke findet zurück ins Mittelmaß

Mit zwei Siegen am vergangenen Spieltag katapultierte sich der FC Schalke vom Letzten auf den fünften Platz. Diese Platzierung stimmt mit dem aktuellen Leistungsvermögen der Königsblauen auch eher überein. Schlagzeilen wie „Schalke setzt Saison 2016 in den Sand“ konnten damit abgewehrt werden. Mit einem Punkt gegen den FC St. Pauli können die Ruhrpöttler diese Leistungssteigerung zementieren. Bei einer Niederlage kommt das Torverhältnis ins Spiel. Selbst hat man fünf Tore mehr kassiert als geschossen. Allerdings weist die Konkurrenz mit -10, -13 und -17 Toren ein deutlich schlechteres Verhältnis auf. Eine knappe Niederlage und ebenso knappe Siege der Konkurrenz bedeuten also weiterhin Platz fünf für Schalke.

Reicht es noch zu Platz zwei?

Der Chemnitzer FC lauert als Vizemeister des Vorjahres gleich doppelt auf Ausrutscher der Konkurrenz. Ein eigener Sieg gegen die SG München/Würzburg verhilft den Sachsen nur dann zu Platz zwei, wenn der FC St. Pauli und der MTV Stuttgart ihre Spiele verlieren. Sollte nur einer von beiden Punkten, so bliebe der CFC dahinter. Eine Ausnahme wäre ein Sieg mit fünf Toren Abstand und ein Unetnschieden des MTV. In diesem Fall überholen die Sachsen die Schwaben. Dass die Himmelblauen das gewaltige Torverhältnis der St. Paulianer einholen, das gab unser Rechenschieber gedanklich nicht her. Auch eine so komplexe Rechenmaschine stößt bei Unwahrscheinlichkeitsrechnungen an seine Grenzen.

Prestige statt Meisterschaft

Für den Rekordmeister aus Baden-Württemberg geht es im Spiel gegen den designierten Meister aus Marburg in diesem Jahr ausschließlich ums Prestige. Den Titel haben sich die Lahnstätter bereits gesichert – zum vierten Mal. Der MTV holte die Schale fünfmal an den Neckar. Die Vizemeisterschaft kann allerdings noch errungen werden, wenn auch nicht aus eigener Kraft. Denn nur wenn der FC St. Pauli am Morgen nicht sein spiel gewinnt, kann Stuttgart mit einem Erfolg gegen die blau-gelben Sportfreunde auf Platz zwei vorrücken. Bei einer Niederlage droht bei einem Chemnitzer Sieg am Ende Platz vier, was die schlechteste Endplatzierung der Stuttgarter in ihrer Vereinsgeschichte bedeuten würde. Ausreichend Ansporn, um aus dem Finalspiel der letzten zwei Jahre auch in Rostock ein heißes Blindenfußballduell werden zu lassen.

Torverhältnis wie Extrapunkt

Für die Torfabrik des FC St. Pauli kann sich die eigene Treffsicherheit der Saison am Ende auszahlen. Das unglaubliche Torverhältnis von 26:4 ist wie ein zusätzlicher Punkt. Gewinnen die Kiezkicker ihr Spiel gegen den FC Schalke, so ist ihnen die Vizemeisterschaft nicht mehr zu nehmen. Kommt man aber nicht über ein Remis hinaus, so zögen die Schwaben im Falle eines Sieges an den Nordlichtern vorbei. Auch ein Abrutsch wie im Vorjahr auf den vierten Rang ist möglich, wenn auch der CFC sein Match für sich entscheidet, dann bringen auch die vielen Tore nichts.

Bleibt die Null stehen?

Die Meisterschaft mussten die Sportfreunde Marburg am Grünen Tisch feiern. Motivation fürs letzte Saisonspiel sollte dennoch da sein. Schließlich kann man noch die volle Punktzahl und einen Defensivrekord erreichen. Bislang kassierten die Lahnstädter noch kein Gegentor. Im Vorjahr hatte der Chemnitzer FC mit einem einzigen Gegentor den vorherigen Rekord des MTV Stuttgart mit zwei kassierten Gegentreffern unterboten. Zudem sind die Aufeinandertreffen zwischen Marburg und Stuttgart seit Beginn der Blindenfußballgeschichte in Deutschland stets heiß umkämpft. Am Samstagnachmittag wird es daher auf dem Rostocker Marktplatz nicht nur um drei Punkte gehen, sondern auch ums Prestige.

Wer ist diese Saison besonders aufgefallen?

Auch ein weiteres Geheimnis wird traditionell erst in Rostock gelüftet. Schon seit einigen Jahren kürt die Blindenfussball.net-Redaktion zusammen mit dem Spielbeschreiberteam die besten Sportler in fünf Kategorien. Am leichtesten ist bekanntermaßen der beste Stürmer zu ermitteln, welcher sich aus der Torjägerliste ablesen lässt. Da jedoch alle Positionen einer Mannschaft wichtig  sind, gibt es auch dieses Jahr Auszeichnungen für den besten Allrounder, das Abwehrbollwerk, den besten Mittelfeldspieler sowie den Spieler, der dieses Jahr erstmals auf dem Kunstrasen stand und dessen Name in den Spielbeschreibungen immer wieder genannt wurde.

Alle Spiele Live

Apropos Spielbeschreibungen: diese gibt es natürlich auch aus Rostock wieder zu hören. Alle Spiele Live über Blindenfussball.net, MeinSportradio.de und/oder R4H.de. Wer sich jedoch dafür entscheidet nach Rostock zu fahren, den erwartet bei diesem Spieltag auf dem Kunstrasen neben Blindenfußball auch ein kleines Einlagespiel der Rostocker Goalballer.