Schiedsrichterbogen bei einem Blindenfußball-Bundesliga Spiel

Neues Regelwerk: Das ändert sich

Das Blind Football Subcommittee der IBSA hat im Laufe der letzten drei Jahre kontinuierlich an einem neuen Regelwerk gearbeitet. Am 1. Januar 2017 ist es in Kraft getreten. Hockeytore, begrenzte Auswechselungen, längere Halbzeiten: Wir stellen die Neuerungen vor.

Größere Tore

Ein etwas ungewohntes Bild wird sich dem geneigten Blindenfußballfan beim Blick aufs Spielfeld bieten.

Kunstrasen, Banden, Linien, vier blinde Feldspieler, ein sehender Torwart, zwei Tore – was ist denn mit den Toren passiert?

Die sind leicht gewachsen. Statt der bisher verwendeten drei Meter breiten und zwei Meter hohen Handballtore stehen jetzt Tore mit den Maßen 3,66m x 2,14m auf dem Platz. Der Sportbesserwisser weiß, dass das die Dimensionen eines Hockeytors sind. Von dieser Regeländerung verspricht man sich vor allem mehr geschossene Tore und somit attraktivere und offensivere Spiele. Insbesondere für die Torhüter wird das neue Gehäuse eine Umstellung sein. Bislang galt es für den Schlussmann 6m² Torfläche abzudecken, jetzt hat er 7,83m² zu verteidigen.

Angepasster Torwartraum

Zwar ist der Torwartraum nicht in seiner Tiefe nach vorne ins Spielfeld hinein vergrößert worden – bleibt also bei zwei Metern, aber in der Breite passt er sich der neuen Torgröße an. Die vertikalen Linien setzen wie gehabt einen Meter neben den Torpfosten an, sodass der Keeper fortan auf einer Fläche von 11,64m² herumtigern kann; das sind immer in 1,32m² mehr Auslauf. Ob dies zu vermehrtem Konditionstraining innerhalb der Torhütergilde führt, sei mal dahingestellt. Ihr Torwartspiel wird sich insgesamt aber merklich verändern.

Auch der Strafraum wächst

Da die Linien des Strafraums am Tor ausgerichtet sind, wächst die Penalty Area automatisch mit. Insgesamt vergrößert sich der Strafraum um stolze vier Quadratmeter. Inwieweit daraus zukünftig die Anzahl an Strafstößen steigt, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen. Diese werden aber weiterhin von sechs und acht Metern ausgetragen.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Eine bedeutende Änderung betrifft die Spielzeit. Bis jetzt lief die Uhr bis zur 23. Minute durch, außer ein Team oder der Schiedsrichter hatte ein Timeout genommen. In den letzten zwei Minuten jeder Hälfte ist die Uhr immer gestoppt worden, solange der Ball nicht im Spiel war. Dieses Prinzip gilt fortan für die komplette Spieldauer. Ausgiebige Studien von internationalen Spielen hatten eine effektive Spieldauer von knapp 17 Minuten pro Hälfte ergeben. Da 17 Minuten doch etwas seltsam wirkt, hat man die effektive Spieldauer auf 20 Minuten verlängert. Die Uhr läuft zudem nicht mehr hoch, sondern wie aus anderen Sportarten bekannt runter. Die tatsächliche Dauer eines Spiels variiert mit dieser Methode zwar, dafür sind die Zeitspielmöglichkeiten extrem begrenzt. Der Fairnessfaktor steigt also.

Begrenzte Auswechslungen

Das neue Regelwerk lässt maximal sechs Auswechslungen pro Hälfte zu. Wechsel, die während der Halbzeitunterbrechung vorgenommen werden, sind von dieser Regel ausgenommen. Bislang konnte beliebig oft gewechselt werden.

Teamfoulgrenze

Alles etwas größer, überall etwas mehr – so auch bei der Anzahl der erlaubten Teamfouls. Im neuen Regelwerk sind fünf pro Hälfte erlaubt, ab dem Sechsten erhält der Gegner einen Achtmeterstrafstoß. Die Begründung für diese Änderung hängt zum einen mit der längeren effektiven Spieldauer zusammen und zum anderen damit, dass die Gewichtigkeit der Achtmeter herabgesetzt werden soll. Man wünscht sich mehr Tore aus dem Spiel heraus und weniger Entscheidungen vom Punkt.

40-Sekunden-Regel

Wenn ein Spieler länger als 40 Sekunden den Ball ohne jegliche offensive Absicht führt, soll dem Gegner ein indirekter Freistoß zugesprochen werden. Inwiefern diese Regel tatsächlich Anwendung findet und überhaupt in der Praxis umgesetzt werden kann, konnten auch die bisherigen Testspiele unter dem neuen Regelwerk nicht zeigen. Dieser Fall kommt zum Glück sehr selten vor, dennoch sind so Nichtangriffspakte ausgeschlossen.

Mittelkreis

Eher eine Randbemerkung, wenn auch eine aus dem Zentrum, ist die Vergrößerung des Mittelkreises. Der Radius beträgt nun fünf statt wie bisher drei Meter. Dies ist eine Angleichung an sämtliche übrigen Standardsituationen, bei denen sich der Gegner fünf Meter vom ruhenden Ball entfernt befinden muss. Das ist ab sofort auch beim Anstoß der Fall.

Das neue Regelwerk zum Download

Das komplette Regelwerk gibt es hier zum Download. Es gilt bis 2021 und schließt die nächste Weltmeisterschaft 2018 in Madrid sowie die Paralympics 2020 in Tokio ein. Die Europameisterschaft 2017 in Berlin wird das erste große Turnier sein, bei dem nach dem neuen Regelwerk gespielt wird.

Meinung gefragt

Wir möchten gerne von euch wissen, was ihr zu den neuen Regeln denkt? Werden die größeren Tore für mehr Tore sorgen? Sorgt die veränderte Zeitnahme für mehr guten Blindenfußball? Werden die Spiele interessanter durch eine höhere Anzahl an Teamfouls vorm Doppelpenalty? Diskutiert mit uns in den Kommentaren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.