Regeln und Spielweise

Wenn blinde Fußballer ihren Lieblingssport regelkonform ausüben möchten, gestaltet sich dies etwas schwieriger als bei den mehr als 6,7 Millionen Mitgliedern des Deutschen Fußballbundes (DFB), die ihrer Leidenschaft rundum das runde Leder auf den Sportplätzen der 27.000 DFB-Vereinen nachgehen.

Das Spielfeld beim Blindenfußball misst 20 x 40 Meter und an den Längsseiten durch Banden begrenzt. Die Tore sind wie beim Handball 3 x 2 Meter groß. Es spielen vier blinde Feldspieler, ein Tor-Guide und ein sehender Torwart pro Team. Der Torwart darf seinen 5 x 2 Meter großen Torwartraum nicht verlassen und nur innerhalb dieses Bereichs ins Spiel eingreifen. Der Tor-Guide steht hinter dem gegnerischen Tor und kann seinen blinden Mitspielern im Angriffsdrittel Anweisungen geben und sorgt dafür, dass die Torposition durch Zurufe immer klar lokalisiert werden kann.

Der Ball ist im Blindenfußball mit mehreren Metallplättchen versehen, in denen kleine Kügelchen für den rasselähnlichen Sound sorgen. Diese Plättchen sind direkt unters Leder des Balles genäht, der wie beim Futsal schwerer und in seiner Sprungfähigkeit reduzierter  ist.

Die wichtigste Regel, die die Spieler berücksichtigen müssen, ist die sog. Voy-Regel. „Voy“ (spanisch = ich komme/gehe) ist das Wort, das im Abstand von 3 Metern zum ballführenden Spieler, der durch den Ball akustisch wahrgenommen werden kann, vom Gegenspieler klar vernehmlich gesagt werden muss. Wird das Voy vergessen oder zu spät gesagt, zählt dies als Foul. Beim Blindenfußball werden Fouls als persönliches Foul oder Teamfoul gezählt. Ein Spieler, der fünf persönliche Fouls begangen hat, muss den Platz verlassen, darf aber unmittelbar von einem anderen Spieler ersetzt werden.

Ab dem vierten und jedem weitere Teamfoul pro Halbzeit erhält die gegnerische Mannschaft einen Achtmeter-Strafstoß zugesprochen. Der Achtmeter – oder auch Double Penalty – ist sozusagen der zweite Strafstoß. Wird ein Foul innerhalb des Strafraumes begangen, wird ein Sechsmeter verhangen, ähnlich dem Elfmeterstrafstoß im Fußball Sehender. Ansonsten gelten die bekannten Fußballvergehen auch im Blindenfußball als Foul. Hinzu kommen Dinge wie das beidhändige Festhalten an der Bande oder das Grätschen nach dem Ball.

Ein Blindenfußballspiel dauert zwei mal 25 Minuten. In den letzten zwei Minuten jeder Halbzeit wird die Zeit bei jeder Spielunterbrechung angehalten.
Es darf unbegrenzt gewechselt werden, ausgewechselte Spieler dürfen wieder eingewechselt werden  und zudem kann jede Mannschaft pro Halbzeit eine Auszeit von einer Minute nehmen.

Da sich Blindenfußball aus dem Futsal entwickelte, ist auch die Spielweise dem Kleinfeld und der kleinen Spieleranzahl angepasst. Eine enge Ballführung ist für Blindenfußballer extrem wichtig, da so der Ball ständig taktil wahrgenommen werden kann. Zudem ist es schlichtweg der Blindheit geschuldet, dass Blindenfußballer hohen Wert auf Ballkontrolle legen, um nicht unnötig nach dem Ball suchen zu müssen oder ins Leere zu treten, wenn man sich den Ball einige Schritte vorgelegt hat und hinterher gesprintet ist. Eine gute Ballbehandlung verhilft den Sportlern auch dazu sich bis kurz vors Tor zu manövrieren, um aus kürzester Distanz den sehenden Torwart zu überwinden. Die kurzen Reaktionszeiten und die oft unvorhersehbaren Schussrichtungen der blinden Kicker stellen den Torwart häufig vor unlösbare Aufgaben. Reflexe und ein gutes Stellungsspiel sind gefragt.

Ein Blindenfußballspiel steht einer herkömmlichen Fußballpartie in Sachen Spannung und fußballerischem Können also in Nichts nach. Die Tatsache, dass die blinden Spieler zur absoluten Chancengleichheit Eye Pads und Augenbinden tragen, um eventuelle Sehreste gänzlich zu eliminieren, erhöht für den Zuschauer zusätzlich die Faszination an diesem Sport.

Alles rund um das rasselnde Leder