St. Pauli behält weiße Weste

Schon vor der Saison konnte man erahnen, dass der FC St. Pauli das gejagte Team sein würde. Und das Team von Trainer Wolf Schmidt wurde seinem Ruf im Spiel gegen den BVB gerecht. Ein intelligent ausgeführter Freistoß mit langer Verzögerung und prompten Abschluss brachte die Hamburger früh in Front. Matchwinner Rasmus Narjes netzte zum 1:0. Und auch die folgenden drei Treffer gingen auf das Konto des Nationalspielers, der den verletzten Tönsing in der Offensive ersetzte. Einem wuchtigen Nahdistanzschuss zum 2:0 Halbzeitstand, folgte zu Beginn des zweiten Abschnitts ein Sololauf mit Abschluss nahe der Grundlinie in den rechten Torwinkel. Den Schlusspunkt setzte dann ein Schuss aus sieben Metern zentrale Position, der mit Unterstützung des Innenpfostens die Torlinie passierte.

Eine Spielszene zeigt Rasmus Narjes, der den Spielball am rechten Fuß führt. Er steht noch in der eigenen Hälfte auf der halblinken Seite. Es nähert sich die BVB-Verteidigerin Amira Schwarz.
Matchwinner Rasmus Narjes erzielte alle Tore in der einseitigen Begegnung, Foto: Matthias Gutzmann.

Der BVB – aufgrund der Verletzung von Jörg Fetzer aus dem gestrigen Spiel – ohne Wechselmöglichkeit – schaffte kaum wirkliche Entlastung durch eigene gut herausgespielte Angriffe. Es waren Einzelaktionen des umtriebigen Jonas Fuhrmann, die das Highlight der BVB-Offensive bildeten. Diese zeichneten sich allerdings eher in der Quantität, denn in der Qualität aus. Denn durch kluges Verschieben erstickte die St. Pauli-Defensive die Dortmunder Angriffsbemühungen zu oft im Keim. In der Schlussphase der Partie kam es für den Gastgeber Dortmund noch dicker: Kapitän Hasan Altunbas musste aufgrund des fünften persönliches Foulspiels vom Feld, sodass für den BVB die Partie mit nur vier Spielern endete. St. Pauli hingegen nutzte die komfortable 4:0 Führung um die Einsatzzeiten für alle Akteure bei den weiterhin heißen Temperaturen zu dosieren.

Nach drei Spielen und drei Siegen sowie 9:0 Toren steht der FC am Ende des zweiten Spieltages souverän an der Spitze der Tabelle.

Stuttgart siegt in hitziger Hitzeschlacht

Der MTV Stuttgart schlägt in einem emotionsgeladenen Topsiel die SF Marburg mit 2:1 und rehabilitiert sich somit vor der überraschenden Niederlage am Vortag gegen den BSV Wien.

Dabei startete das Spiel für die Schwaben denkbar schlecht, denn bereits in der 5. Spielminute erzielte Taime Kuttig im Anschluss an einen Freistoß die frühe Führung für die Hessen, denen in Soest durch die Ausfälle von Nico Rother und Alican Pektas nur eine Wechseloption zur Verfügung stand. In der Folge übernahm der Rekordmeister aus Stuttgart bei hochsommerlichen Temperaturen aber die Spielkontrolle, Lukas Smirek und Vedat Sarikaya scheiterten aber mit ihren Versuchen am Marburger Schlussmann Sebastian Themel. Die intensive Begegnung war immer wieder geprägt von harten Zweikämpfen und hitzigen Diskussionen, so sah Torschütze Kuttig für sein hartes Einsteigen bereits früh die gelbe Karte.

Marburgs Taime Kuttig führt den Ball vom eigenen Tor weg. Er befindet sich noch innerhalb des eigenen Strafraums. Ihn verfolgt ein Stuttgarter Akteur. Im Hintergrund kniet Torhüter Sebastian Themel in Erwartung eines möglichen Balles, Foto: Florian Eib.
Spielgestalter im Fokus: Taime Kuttig will den Ball aus der eigenen Hälfte führen, Foto: Florian Eib

Das Stuttgarter Übergewicht zahlte sich in der 13. Spielminute aus, nach einem harten Abwurf von Tim van Aken, der extra für die heutige Begegnung nach Westfalen nachgereist war, verarbeitete Alexander Fangmann den Ball von der Bande mit einer schnellen Drehung ins Zentrum und knallte den Rasselball unhaltbar für Themel unter die Latte ins kurze Eck zum verdienten Ausgleich. Mit diesem Spielstand ging es auch in die Halbzeitpause. Der zweite Durchgang begann etwas zerfahrener, die Emotionen und Diskussionen nahmen nun aber fortlaufend zu. Mit zahlreichen Schiedsrichterentscheidungen zeigte sich der Stuttgarter Trainer Giuseppe Calagiura unzufrieden und machte seinem Unmut lautstark Luft und erhielt dafür die gelbe Karte. Davon ließ sich der Coach aber nicht beruhigen und nach einem provokanten Spruch zum Schiedsrichtertisch zeigte im Niels Haupt die rote Karte.

Aus dieser Hektik konnten die SF Marburg fast Kapital schlagen, die Schusschancen von Alleinunterhalter Kuttig parierte van Aken allerdings im kurzen Eck, ehe dem MTV in den letzten Spielminuten die Spielkontrolle übernehmen und einige gefährliche Abschlussaktionen kreieren konnte. Fangmann und Sarikaya scheiterten mit ihren Versuchen allerdings am stark reagierenden Sebastian Themel. Nach einem Dribbling von Lukas Smirek schien die Situation im Marburger Strafraum schon fast geklärt, etwas übermotiviert grätschte der bereits verwarnte Kuttig den Stuttgarter ab und sah so nicht nur die gelb-rote Karte, sondern die Schwaben bekamen einen Strafstoß zugesprochen.

Im Fokus des Fotos steht Schiedsrichter Niels Haupt, der eine Rote Karte in Richtung des Marburgers Taime Kuttig. Spieler beider Teams stehen um den Schiedsrichter herum, einige haben den Kopf gesenkt, Foto: Florian Eib.
Taime Kuttig sieht die rote Karte, Foto: Florian Eib

Mulgheta Russom ließ sich in der 35. Spielminute diese Chance nicht entgehen, und traf mit seinem wuchtigen Schuss neben den rechten Pfosten zum umjubelten Siegtreffer, die in den letzten Minuten nicht mehr anbrennen ließen und die Zeit clever runterspielten.

Das entscheidende Tor zum 2:1 für Stuttgart erzielte Mulgheta Russom per Sechsmeter. Hier schlägt der Ball gerade im rechten Eck des Tores ein. Marburgs Torhüter Sebastian Themel liegt am Boden mit dem Blick Richtung Boden, Foto: Florian Eib.
Dieser Abschluss saß: Unhaltbar netzte Russom zur umjubelten Stuttgarter Führung ein, Foto: Florian Eib

Der MTV Stuttgart findet nach der überraschenden Niederlage am gestrigen Tag die passende Antwort, während auch die Hessen aus Marburg nach dem Auftaktsieg in Karlsruhe ihre erste Saisonniederlage kassierten. Der lachende Dritte könnte der FC St. Pauli sein, der mit einem Sieg im letzten Spiel des zweiten Spieltages die Spitzenposition festigen kann.

 

Paukenschlag: BSV 1958 schlägt Stuttgart und schreibt Geschichte

Ein Zweikampf aus dem Spiel Wien gegen Stuttgart.

Der Jubel nach dem Spielabpfiff kannte keine Grenzen. Die Spieler des BSV 1958 stürmten aufeinander zu, umarmten sich und schrien ihre Freude heraus. Wenige Sekunden zuvor gelang den Österreichern mit dem 2:1-Erfolg gegen den deutschen Vizemeister MTV Stuttgart der erste Sieg in ihrer Historie in der Blindenfußball-Bundesliga.

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Medaille verpasst: Deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft unterliegt England

Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft hat die erste Medaille bei einer Europameisterschaft verpasst. Wie schon in der Gruppenphase musste sich das Team von Bundestrainer Martin Mania den Engländern geschlagen geben. Anders als noch in der Vorrunde (0:1) ging dieses Spiel sogar ins Sechsmeterschießen.

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EM-Finale verpasst: Deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft unterliegt Frankreich

Es sollte nicht sein: Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft hat das Endspiel bei der Europameisterschaft in Pescara (Italien) verpasst. Gegen den Finalisten von 2019, Frankreich, unterlag Deutschland mit 3:2 (1:1, 2:2) nach Sechsmeterschießen. „Wir haben eine tolle Leistung geboten und den Gegner am Rande der Niederlage gehabt. Aber uns fehlt dann noch ein Stück weit die Qualität und die Erfahrung, solche Spiele zu gewinnen. Wir lernen aus dieser Niederlage“, sagt Mania nach der Begegnung. „Ich kann meiner Mannschaft nichts voewerfen.“

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Kurz vor WM-Qualifikation: Feiert Deutschland Historisches?

Rasmus Narjes im Zweikampf gegen den Engländer Owen Bainbridge. Fotorechte: Fispic

2760 Tage ist es her, dass die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft ein Weltmeisterschaftsspiel bestreiten durfte. 2014 war die DBS-Auswahl beim prestigeträchtigen Turnier in Tokio Achter (von zwölf Teams). Dabei wurde keines der sechs Spiele gewonnen. Mehr als siebeneinhalb Jahre später hat die Mannschaft um Bundestrainer Martin Mania die Gelegenheit, sich erstmals seit Tokio wieder für eine WM zu qualifizieren – es wäre die zweite Teilnahme überhaupt.

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