Insolvenz bei Viktoria Berlin: Zukunft der Blindenfußballer unklar

Nico Rother führt den Ball eng am Fuß.

Paukenschlag in der Bundeshauptstadt: Am Donnerstag gab der FC Viktoria 1889 Berlin bekannt, dass er beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag einreichen musste. Die finanzielle Umstrukturierung könnte auch erhebliche Nachteile für die Blindenfußballsparte der Berliner mit sich bringen.

Frischer Wind wehte, als Viktoria Berlin bei den Blindenfußball-Bundesligaspieltagen in der vergangenen Saison auf dem Platz stand. Der Kader, der oftmals in himmelblau gekleideten Bundeshauptstädter, war radikal verjüngt. Mit viel Leidenschaft, Engagement waren die ehrgeizigen Kicker bei den Wochenenden in Hamburg, Dortmund und Düsseldorf dabei – ob die Berliner auch in Zukunft in der Bundesliga vertreten sein werden? Ungewiss. Der Verein musste am Donnerstag beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag stellen. „Aufgrund ausbleibender Zahlungen des chinesischen Investors, der Advantage Sports Union Ltd. (ASU),Hongkong, ist der Verein nicht mehr in der Lage, die auflaufenden Verbindlichkeiten zu decken. Zum Schutz des Vereins war es die unvermeidliche Pflicht des Vorstands, diesen Insolvenzantrag einzureichen“, heißt es in der Pressemitteilung des Clubs.

Große Träume, tiefer Fall

Laut einem Bericht der „BILD“-Zeitung sollte das asiatische Unternehmen in den kommenden zehn Jahren 90 Millionen Euro in den Verein spülen. Hoch hinaus und endlich wieder Profi-Fußball in der deutschen Hauptstadt. Den vielversprechenden Plänen und Träumenfolgte nun der tiefe Fall. „Wir bedauern sehr, dass die ASU seine Verpflichtungen ohne Nennung von triftigen Gründen nicht einhält, vereinbarte Zahlungen nicht geleistet hat und auch zukünftige Zahlungen ablehnt. Dies alles kam für uns umso überraschender, da sowohl alle notwendigen Schritte und Maßnahmen zur Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft abgeschlossen waren und sich auch der sportliche Erfolg eingestellt hat.“

„Unsere Teilnahme an der Bundesliga-Saison 2019 ist in Gefahr.“

Bei den Verantwortlichen der Blindenfußball-Sparte macht sich Enttäuschung und Ungewissheit breit. „Unsere Teilnahme an der Bundesliga-Saison 2019 ist in Gefahr. Das war sie in den letzten zwei, drei Jahren auch schon. Unser Budget ist immer spitz auf Knopf genäht. Nächstes Jahr wird es noch schwerer, das Geld zusammenzubekommen. Dass die Teilnahme noch nicht sicher ist, hat aber an vielen Faktoren. Ein anderer ist unser Kader. Wir haben viele Schüler. Da müssen wir klären, zu welchen Spieltagen sie sicher können. Nicht nur Ferienzeiten müssen abgeklärt werden, auch Prüfungstermine. Aber es ist unser Ziel. Wir werden alles daran setzen, um das möglich zu machen“, erklärteTrainer Oliver Heise, der Gespräche mit Verein und dem Team ankündigte. „Danach müssen Entscheidungen getroffen werden.“

Ob die Blindenfußballer von Viktoria Berlin auch in der kommenden Bundesliga-Saison antreten werden, ist noch unklar. Foto: Jonas Bargmann
Ob die Blindenfußballer von Viktoria Berlin auch in der kommenden Bundesliga-Saison antreten werden, ist noch unklar. Foto: Jonas Bargmann

Immerhin: Laut Clubmitteilung wird „die Fortführung des Vereins, welcher nach Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters auch wieder handlungsfähig ist“ garantiert. „Der Spielbetrieb der rund 70 Mannschaften des Breitensports wird wie bisher weitergeführt. Dies ist mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und seinem Team abgestimmt. Wir bauen auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, heißt es weiter.

Versprechen, die viel Hoffnung mit sich bringen. Für Spieler, Fans und alle Angehörigen. Aber: Die hundertprozentige Gewissheit gibt es nie. Ein Neustart bei einem anderen, möglicherweise auch größeren Verein, wie beispielsweise Hertha BSC oder Union Berlin, könnte de Spielbetrieb der jungen Blindenfußballer in der nationalen Liga sichern. „Ich kann da nur für mich sprechen. Wenn ein anderer Verein Interesse hat, mit uns zusammenzuarbeiten, würden wir uns das auf jeden Fall anhören müssen, denke ich. Aktuell ist eine einzige Trainingszeit alles, was wir vom Verein bekommen. Material, Budget für die Liga, Öffentlichkeitsarbeit – alles müssen wir eigenständig realisieren“, kommentierte Heise, der schon jetzt einen sportlich herben Verlust für die kommende Spielzeit hinnehmen muss. Edis Veljkovic gab vorerst sein Karriereende bekannt. „Er ist ganz ausgestiegen“, sagte der Berliner Trainer. Schwierige Zeiten also für „Viktoria“.

Edis Veljkovic hört auf

Aber die vergangene Spielzeit hat gezeigt, dass viel Potential in der blutjungen Mannschaft steckt – es müssen nur eine ordentliche finanzielle und materielle Basis vorliegen, um den jungen Akteuren nicht nur eine dauerhafte Teilnahme an der Bundesliga zu gewähren, sondern vielleicht auch das ein oder andere internationale Turnier. Und wer weiß, vielleicht durchbricht nach dem FC St. Pauli ein Verein aus der Hauptstadt die Phalanx der SF BG/Blista Marburg und des MTV Stuttgart.

Die Nr. 10 ist nicht mehr mit dabei: Edis Veljkovic steht den Berliner vorerst nicht mehr zur Verfügung – Komm’s zum Comeback? Foto: Jari Schaller

„Als liefe ich nachts durch die Straßen und die Lichter wären aus“

Wenn auf dem Kunstrasenfeld an der Deutschen Sporthochschule Köln ein Ball mit Rasseln zu hören ist, ist Katharina Kühnlein nicht weit davon entfernt. Die 20-Jährige ist blind. Trotz ihrer Beeinträchtigung lässt sie sich den Spaß am Sport nicht nehmen. Im Gegenteil: Sie sah die Erblindung als Chance, blüht seither beim Blindenfußball auf und fliegt im kommenden Jahr zu einem Trainingscamp nach Japan.

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Finalspieltag in Düsseldorf – Kampf um das Treppchen

Es ist kaum drei Wochen her, da fand dieses Spiel schon einmal statt. Beim vergangenen Spieltag in Dortmund reichte ein Last-Minute Treffer der Schalker zu einem 1:0 Sieg (Spielbericht). Heute möchte sich der viermalige Deutsche Meister aus Marburg revanchieren.
Vor dem Spiel wurde von der Blindenfussball.net-Redaktion der beste Newcomer der Saison ausgezeichnet. Die meisten Stimmen erhielt der Schalker Ali Cavdar, früherer türkischer Nationalspieler, der zu den Ligaspielen extra aus Istanbul nach Deutschland einfliegt. „Finalspieltag in Düsseldorf – Kampf um das Treppchen“ weiterlesen

Einlagespiel endet zum Auftakt torlos

Kein Durchkommen für die Dortmunder Offensive gegen Marburg. Foto: Tomke Koop

Der Chemnitzer FC war am finalen Spieltag am Düsseldorfer Burgplatz nicht vor Ort – schnell planten die Träger der Blindenfußball-Bundesliga um. Statt einem Duell mit den Sachsen um Platz fünf, traf Borussia Dortmund auf Blau-Gelb Marburg. Im Vorfeld der Partie wurde Dortmunds Hasan Altunbas als bester Abwehrspieler“ ausgezeichnet. Bei stark verändertem Kader der Schwarz-Gelben“ agierte der Nationalspieler in dieser Spielzeit häufig in der Defensive und schaltete sich dennoch in einigen Spielen in viele Offensivaktionen seiner Mannschaft ein. „Einlagespiel endet zum Auftakt torlos“ weiterlesen

Ideale Voraussetzungen für das Finale

Ali Cavdar (graues Trikot, hier im Zweikampf mit Steven Herzig) will mit dem FC Schalke 04 den dritten Platz. Foto: Jonas Bargmann

Es ist soweit: Das Final-Wochenende der Blindenfußball-Bundesliga steht vor der Tür. Beim Spieltag auf dem Düsseldorfer Burgplatz erwarten uns neben dem Einlagespiel von Viktoria Berlin gegen eine Rookie-Auswahl aller Blindenfußball-Bundesligisten und einem Einlagespiel zweier Amputierten-Fußballteams, auch drei hoffentlich packende und mitreißende Platzierungspartien. Definitiv wird am Samstagabend die Frage beantwortet, ob der amtierende Meister, der FC St. Pauli seinen Titel verteidigt hat, oder ob der MTV Stuttgart erstmals seit 2014 die Trophäe in den Düsseldorfer Abendhimmel stemmt. Die Vorberichte im Überblick:
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St. Pauli und Stuttgart greifen nach dem Meistertitel

Nach dem Spieltag in Dortmund haben alle Teams der diesjährigen Blindenfußball-Bundesliga ihre sechs Spiele auf dem Konto. Es ergeben sich nach den bisherigen Platzierungen die Platzierungsspiele, die am 25. August auf dem Burgplatz in Düsseldorf stattfinden werden. Höhepunkt ist dabei natürlich das Finale zwischen dem amtierenden Deutschen Meister FC St. Pauli und dem Rekordmeister MTV Stuttgart. Vor diesem Wochenende waren die meisten Entscheidungen allerdings noch nicht gefallen. Vor allem der Samstag versprach noch einige Spannung.

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Koparan zerstört letzte Marburger Finalhoffnungen

Für den FC Schalke 04 geht es im letzten Duell der regulären Saison gegen Blau-Gelb Marburg lediglich um Prestige. Das Team von Trainer Mohammed Abdel Wares ist nach dem torlosen Unentschieden im Ruhrpottderby gegen Borussia Dortmund nicht mehr von Tabellenrang vier zu verdrängen. Die Hessen dagegen wollen die Mini-Chance auf das Finale wahren – da hilft aber nur ein Sieg.

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Blau-Gelb Marburg mit Pflichtsieg

Das letzte Spiel am heutigen Tag hat mit Marburg einen klaren Favoriten. Nachdem die Viktoria aus Berlin bereits am Morgen unglücklich in den letzten Spielminuten mit 0:1 gegen den Chemnitzer FC verloren hatte, standen die Südhessen nur vor ihrer ersten Aufgabe an diesem Spieltag. Mit Kuttig, Pektas, Hoppmann, Horn und Mania in der Startfünf standen ihre vermeintlich stärksten Spieler auf dem Platz. Aufseiten der Berliner fehlte zudem Leistungsträger Edis Vejlkovic aufgrund einer Verletzung.

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